Rasend spannend:
Krimis von
Robert Klement

LESEPROBE

Simon spürte, wie ihm der Schweiß ausbrach, blitzartig. Nein, an Flucht dachte er nicht, auch nicht an die Möglichkeit zu schreien. Das alles war zu unwirklich. Für einen flüchtigen Augenblick hatte er grauenhafte Angst. Todesangst.
„Alles in Ordnung?“, fragte Kitty.
Die Augen des Greises waren geschlossen. Die weißen Hände umfassten ein schwarzes Kreuz. Zuerst konnte er gar nicht glauben, dass hier ein Toter vor ihm lag. Da ruhte ein zufriedenes Lächeln auf den wächsernen Zügen, das den ganzen Raum zu erhellen schien. Ein Toter konnte doch unmöglich so glücklich aussehen. Er strahlte heitere Gelassenheit und Seelenfrieden aus.
„Er ist zu seinem Schöpfer aufgebrochen“, flüsterte Kitty. „Wir sind nur ein kurzer Moment in seiner Ewigkeit.“ Es war Brauch, einen toten Mönch in der Nacht vor seiner Beerdigung in der Kapelle aufzubahren.
„Hast du denn noch nie einen Toten gesehen, ihm ins Antlitz geblickt?“
„Ne – in. Das heißt … doch, einmal.“
Den allerersten toten Menschen, seine Oma, hatte er mit acht Jahren gesehen. Die Mutter hatte ihn ermuntert, ihre Hand zu berühren. Sie war eiskalt gewesen.
„Vor toten Menschen musst du keine Angst haben. Gefährlich sind die Lebenden“, flüsterte Kitty.
Im Kreuzgang schreckten sie einige Fledermäuse auf. Aufgeregt flatterten sie um ihre Köpfe. Plötzlich packte Simon seine Begleiterin an der Schulter.
„Hörst du das auch?“
„Was denn?“
„Dieses Klopfen!“


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AKTUALISIERT AM: 15−12−2017 
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